Eröffnung: DIE GEGENWART IN RÜCKSPIEGELN BETRACHTEN

Eva EGERMANN / Stefan HAYN / Kerstin SCHROEDINGER / Vladislav SHAPOVALOV

Vorderseite der Einladungskarte der Ausstellung DIE GEGENWART IN RÜCKSPIEGELN BETRACHTEN / Eva EGERMANN · Stefan HAYN · Kerstin SCHROEDINGER · Vladislav SHAPOVALOV / Kunstpavillon Innsbruck 19. Mai - 29. Juli 2017

Die Tiroler Künstler*schaft lädt Sie und Ihre FreundInnen herzlich zur Ausstellungseröffnung im Rahmen des Fellowship-Programms für Kunst und Theorie im Künstlerhaus Büchsenhausen 2016/17 in den Kunstpavillon ein.

 

Die Ausstellung Die Gegenwart in Rückspiegeln betrachten beschäftigt sich mit Fragen des Zustands unserer Gegenwart unter aktiver Einbeziehung geschichtlicher Erzählstränge, deren Bedeutung zwar aus dem allgemeinen Bewusstsein verschwunden beziehungsweise verdrängt worden sind, die für das Verständnis dieser Gegenwart jedoch konstitutiv sein könnten. Fünfzig Jahre nach der Erstveröffentlichung des vielzitierten Aphorismus Marshall McLuhans „Wir betrachten die Gegenwart im Rückspiegel. Wir marschieren rückwärts in die Zukunft.“ in The Medium is the Massage gilt es auch, diese Behauptung auf ihre heutige Gültigkeit hin kritisch zu befragen. In dieser Hinsicht geht es in der Ausstellung auch um denjenigen Wahrnehmungsmoment, in dem Gegenwart und Vergangenheit als ununterscheidbar erscheinen, und nicht zuletzt um die Frage, welche zeitliche Ausdehnung ein solcher Moment verträgt.

Zur besseren Vergegenwärtigung stelle man sich folgende Szene vor: Man sitzt am Steuer eines Autos, wenige Augenblicke nachdem man einer Karambolage knapp entkommen ist. Der Blick in die vorhandenen Rückspiegel zeigt zwar das Folgebild desselben Ereignisses, das zeitlich nun einige Sekunden zurückliegt, jedoch in einem jeweils anderen Ausschnitt. Die Perspektive ist immer ein wenig verändert, und auch wenn man das Gesamtbild zu erahnen vermag, so wird man doch nie aus diesen Bildern ein präzises Gesamtbild rekonstruieren können. Und trotzdem ist das, was man als unmittelbar Vergangenes wahrnimmt, Teil der eigenen Gegenwart: Man ist einmal mehr, so der Eindruck, der potenziellen Katastrophe knapp entkommen. Und nun gilt es zu verstehen, zu verarbeiten, was da geschah.

Die Ausstellung Die Gegenwart in Rückspiegeln betrachten ist das Ergebnis der Auseinandersetzung mit den Arbeitsvorhaben und den Arbeitsweisen der Teilnehmer_innen am Fellowship-Programm für Kunst und Theorie im Künstlerhaus Büchsenhausen 2016/17. Ihre künstlerischen und kunsttheoretischen Ansätze, Untersuchungsgebiete und Themen bildeten den Ausgangspunkt des Ausstellungskonzepts. Eva Egermann beschäftigte sich im Zuge der Herstellung der zweiten Ausgabe des Crip Magazine und der Vorbereitung der damit verbundenen Crip Magazine Convention (am 02./03. Juni 2017) mit widerständigen Praktiken, sozialen Bewegungen und Popkulturen, die mit Devianz, Abnorm, Krankheit und Behinderung zu tun haben. Der Künstler und Filmemacher Stefan Hayn unterzog gegenwärtige Prämissen und Ausprägungsformen bildhaften Erzählens für Kinder in unterschiedlichen Medien einer kritischen Untersuchung. Diese kristallisiert sich in einer malerisch-filmischen Installation, einem Filmscreening (am 19. Mai 2017) und einem Vortrag mit Diskussion (am 20. Juni 2017). Kerstin Schroedinger weitete ihre Recherchen zu den historischen und materiellen Bedingungen des Analogfilms aus und realisierte zwei Audioarbeiten, die von einem Performance-Abend (am 20. Mai 2017) und einer Filmvorführung und Diskussion (am 13. Juni 2017) ergänzt werden. Vladislav Shapovalov schließlich führte sein Projekt Image Diplomacy fort, das spezifische Funktionen des Bildes im System politischer Kultur der ehemaligen Sowjetunion und der USA erforscht und bestimmte historische Aspekte der Konstruktion des Politisch-Imaginären durch Ausstellungsstrategien und das Medium der Fotografie im 20. Jahrhundert beleuchtet. In der Ausstellung präsentiert er eine protofilmische Installation und veranstaltet ein Symposium (am 30. Mai 2017) über die Formate Ausstellung und Film als Medien politischer Artikulation.

 

Veranstaltungen am Eröffnungswochenende:

· Führung durch die Ausstellung
mit dem Kurator Andrei Siclodi und den beteiligten Künstler_innen
Fr 19. 05. 2017, 18.00
KUNSTPAVILLON, Rennweg 8a, 6020 Innsbruck

· Dreizehn Regeln oder Die Schwierigkeit sich auszudrücken + Gespräche mit Schülern und Lehrern
Filme von Stefan Hayn und anschließendes Gespräch mit Clemens Krümmel (Kunsthistoriker, Berlin)
Fr 19. 05. 2017, 19.30
KUNSTPAVILLON, Rennweg 8a, 6020 Innsbruck

· Performance-Abend
mit Nathan Gray · Olive Michel & Fred Hystère · Kerstin Schroedinger
Sa 20. 05. 2017, ab 17.00
KÜNSTLERHAUS BÜCHSENHAUSEN, Weiherburggasse 13, 6020 Innsbruck

 

Details zur Ausstellung:
Eröffnung am Donnerstag 18. Mai 2017 um 19.30
Begrüßung: Lizzy Fidler, Vorstandsmitglied
Einführung: Andrei Siclodi, Kurator
Dauer der Ausstellung: 19. Mai – 29. Juli 2017

 

Die teilnehmenden Künstler_innen:

Eva EGERMANN ist Künstlerin und lebt in Wien. In ihrer Recherche-basierten Praxis beschäftigt sie sich mit widerständigen Praktiken, Aneignungen, sozialen Bewegungen und Popkulturen, die mit Devianz, Abnorm, Krankheit und Behinderung zu tun haben. Sie arbeitet mit Beispielen aus verschiedenen Zeiten und Orten, die Aufbegehren, Irritation oder Widerspruch innerhalb ästhetischer Repräsentationen von Unbeschädigtheit auslösen.

Stefan HAYN ist Künstler und Filmemacher und lebt in Berlin. Seine seit 1989 veröffentlichten Filme hinterfragen künstlerische sowie filmische Kategorisierungen und verweigern sich einfachen Genrezuschreibungen. Seine Arbeiten (Filme, Malerei, Essays) wurden in unterschiedlichen Kunst- und Filmkontexten präsentiert. Er lehrte an der Universität der Künste Berlin schwerpunktmäßig zum Verhältnis von Film und Malerei.

Kerstin SCHROEDINGER ist Künstlerin und lebt in Berlin. Sie arbeitet mit Video, Ton und Text. Mit einem historiografischen Ansatz hinterfragt sie Produktionsmittel, historische Kontinuitäten und ideologische Gewissheiten der Repräsentation. Bei ihren künstlerischen Arbeiten und kuratorischen Projekten handelt es sich meistens um Kollaborationen.

Vladislav SHAPOVALOV ist ein Künstler und Forscher, der in Mailand und Moskau lebt. Seit 2008 arbeitet er an Projekten, die sich vor allem mit der Neubewertung von Bildern, kulturellen Artefakten und der Konstruktion von Narrativen beschäftigt, die dazu dienen, geopolitische Konfigurationen zu konstruieren und zu analysieren.
vladislavshapovalov.com

Veranstaltungsort
Kunstpavillon

Rennweg 8a
A-6020 Innsbruck
+43 512 58 11 33
pavillon@kuenstlerschaft.at

Mi-Fr 11.00 – 18.00
Sa 11.00 – 15.00