Visueller Kalter Krieg

Der Kulturverein „Italien–UdSSR“ und die sowjetischen Filme auf dem Filmfestival in Venedig

Betrachter_innen des Plakats "Roma, ore 11", Moskau, 1952. Der klassich-neorealistische Filmregisseur Giuseppe De Santis war einer der Vorstands-Mitglieder der kinematographischen Abteilung des Kulturvereins "Italien-UdSSR" (1946-1991). Foto Courtesy: Associazione Italia-Russia, Mailand.

Ab den frühen 1920er Jahren wurden das Kino an sich und internationale Filmfestivals im besonderen zur Arena ideologischer Kämpfe zwischen den unterschiedlichen politischen Vorstellungen des kapitalistischen Westens und der Sowjetunion. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen diese Spannungen zusehends zu. Stefano Pisu (Universität Cagliari) referiert in seinem Vortrag darüber, wie 16mm- und 35mm-Filme, die aus der Sowjetunion an den Kulturverein „Italien–UdSSR“ über Jahrzehnte geschickt wurden, dazu beitrugen, in Italien ein positives Image der sozialistischen Moderne zu kreieren und zu verbreiten, während andererseits offizielle Repräsentanten der Sowjetunion ihre Teilnahme an dem Filmfestival in Venedig ablehnten.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des künstlerischen Rechercheprojekts Image Diplomacy von Vladislav Shapovalov, der 2016/17 am Fellowship-Programm für Kunst und Theorie im Künstlerhaus Büchsenhausen teilnimmt, und in Kooperation mit dem Italien-Zentrum statt.

Vortrag in englischer und italienischer Sprache.

Vladislav Shapovalov (*1981, Rostow-am-Don, Russland) ist Künstler und Forscher, der in Mailand und Moskau lebt und arbeitet. Er war Mitglied der Künstler_innengruppe Radek Community (1999-2007). Seit 2008 hat er als Einzelkünstler an Projekten gearbeitet, die sich vor allem mit der Neubewertung von Bildern, kulturellen Artefakten und der Konstruktion von Narrativen beschäftigt, die dazu dienen, geopolitische Konfigurationen zu konstruieren und zu analysieren.

Zu seinen jüngsten Ausstellungen gehören Atlas [of the ruins] of Europe, kuratiert von Julia Morandeira Arrizabalaga und José Riello, CentroCentro, Madrid, 2016; Fear. The Origin of the State, kuratiert von Fedor Blašák und Christian Kobald, Nová synagóga / Kunsthalle Žilina, Slowakei, 2015; The School of Kyiv, Biennale von Kiew, kuratiert von Hedwig Saxenhuber und Georg Schollhammer, Kiew, 2015; Sources Go Dark, kuratiert von Valerio Borgonuovo und Silvia Franceschini, Futura Center for Contemporary Art, Prag, 2015.

vladislavshapovalov.com

Stefano Pisu ist Post-Doc-Researcher im Bereich Zeitgeschichte am Dipartimento di Storia, Beni culturali e Territorio der Universität Cagliari. Er ist Autor des Buches „Stalin a Venezia. L’Urss alla Mostra del cinema fra diplomazia culturale e scontro ideologico. 1932-1953“, Rubbettino, Soveria Mannelli, 2013.

Veranstaltungsort
Künstlerhaus Büchsenhausen

Weiherburggasse 13
A-6020 Innsbruck
+43 512 278627
office@buchsenhausen.at