Belit Sağ

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Dieses Projekt erkundet den Begriff der „Zensur“ als Gegenwartszustand. In der Regel wird Zensur im Zusammenhang mit juristischen Prozessen oder institutionellen Verantwortlichkeiten diskutiert, aber nur selten im Hinblick auf die durch sie hervorgerufenen persönlichen, emotionalen und künstlerischen Veränderungen. Zensur ähnelt Mobbing. In beiden Fällen werden Strategien des Unsichtbar-Machens und des Zum-Schweigen-Bringens angewandt – wodurch sich Individuen oft in einer Lage des Isoliert-Seins wiederfinden. Fälle von Zensur sind häufig schwer zu artikulieren und Aussenstehenden gegenüber schwer zu erklären. Die Affekte, die durch Zensur an Künstler_innen entstehen sind ein zentrales Thema dieses Vorhabens.

Ausgehend von ihrer eigenen Erfahrung mit Zensur in der Türkei möchte Sağ einige Künstlerinnen aus diesem Land, die ebenfalls persönlich Opfer von Zensur waren, nach Innsbruck einladen. Durch einen offenen Austausch mit diesen Künstlerinnen beabsichtigt Sağ, die Prozesse offenzulegen, die Künstler_innen auf Grund von Zensur durchmachen müssen, sowie die Auswirklungen auf ihr jeweiliges Leben und den jeweiligen künstlerischen Ausdruck. Es geht darum, einen Raum für ein Wissen zu schaffen, das sich aus auf Affekt basierenden Erfahrungen speist, und Wege zu finden, um dieses Wissen zu visualisieren, es mit künstlerischen Mitteln in eine gemeinsame Realität zu überführen.

Das Projekt will erforschen, wie die individuelle und emotionale Erfahrung von Zensur mit anderen geteilt werden kann, welche künstlerische Taktiken als Antwort gegen repressive Regimes taugen, welche Subjektivitäten Zensur erzeugt und wie diese Subjektivierung durch Affekte verläuft. Nicht zuletzt geht es darum, Solidarität untereinander sowie mit Menschen, die unter Repressionen leiden, zu erzeugen.

(Textvorlage: Belit Sağ)

Belit SAǦ lebt als Videokünstlerin in Amsterdam. Sie studierte Mathematik in der Türkei, Kunst in den Niederlanden und hatte Residencies in New York (ISCP, 2016) und Amsterdam (Rijksakademie van Beeldende Kunsten, 2014/15). Ihre Video-Praxis entwickelte sich in alternativen, video-aktivistischen Künstler_innen-Gruppen in Ankara und Istanbul, wo sie Projekte wie VideA, Karahaber und bak.ma mitinitiierte. Sağs Arbeiten wurden in zahreichen internationalen Ausstellungen und Festivals präsentiert, unter anderem im Württembergischen Kunstverein Stuttgart, auf dem Toronto International Film Festival, bei den Kurzfilmtagen in Oberhausen, am EYE Film Institute und beim Internationalen Filmfestival in Rotterdam, in Salt, DEPO und dem Visual Arts Festival Damascus; auf dem DMZ International Documentary Film Festival in Südkorea, im Chinese European Art Center, China und auf dem Art Lacuna Film Festival, Großbritannien.
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