Das optische Unbewusste des faschistischen Werdens: Eine Befragung des fotografischen Bestands des Stadtarchivs Innsbruck

Michael BAERS, Niko HOFINGER, Lukas MORSCHER, Sabine PITSCHEIDER

Credit: Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck

Die Gegenwart ist durchdrungen von Bildern der Vergangenheit, und doch ist die Vergangenheit immer außer Reichweite – ein zusammengesetztes Bild, aus unterschiedlichen Quellen, die nie allumfassend sein können. Im Herbst 2018 untersuchte Michael Baers den digitalen Bestand des Innsbrucker Stadtarchivs zum geschichtsträchtigen Frühjahr 1933, als die Nationalsozialisten ihre ersten Wahlerfolge in Österreich verbuchten. Für seine Präsentation im Rahmen der Büchsenhausen Focus Weeks im Januar 2019 hat Baers drei Historiker_innen dazu eingeladen, ausgewählte Bilder aus seiner Recherche zu „lesen“, um die historische Bedeutung meist kleiner, fast unsichtbarer Details auf diesen Fotos zu identifizieren und zu diskutieren. Das Ziel dieser Unternehmung kann auch als Versuch begriffen werden, das optisch Unbewusste des unmittelbar bevorstehenden Faschismus (Walter Benjamin möge verzeihen) sowie die soziale Konstruktion der Innsbrucker / österreichischen Gesellschaft jener Zeit zu beleuchten.

Die aktive Teilnahme des Publikums ist ausdrücklich erwünscht.

Die Veranstaltung findet im Kontext der künstlerischer Investigation The Past is an Arrow into the Future von Michael BAERS statt.

Michael BAERS erhielt 2014 seinen PhD in Practice von der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Er hat seine Arbeit international in vielen bedeutenden Kunstinstitutionen ausgestellt, unter anderem im Museum für Angewandte Kunst Frankfurt am Main, dem Haus der Kulturen der Welt in Berlin, und dem Van Abbemuseum in Amsterdam. Seit 2010 war seine Arbeit auf die kulturellen Ergebnisse der fehlenden Konfliktlösung im Nahen Osten und in Nordafrika fokussiert. Seit 2013 hat er im Rahmen eines einzigartigen fotografischen Projekts mit dem Titel Necessità dei Volti geforscht, das aus dem Krieg zwischen den Völkern der Westsahara und Marokkos hervorgegangen ist. Dazu gehörten auch Recherchen auf dem Feld der Medientheorie und der Visual Studies in Verbindung mit der Geschichte des westlichen Nordafrika. Zuvor erforschte Baers Kulturpolitiken in Israel und Palästina, woraus 2014 in Zusammenarbeit mit dem Haus der Kulturen der Welt in Berlin die Online-Publikation An Oral History of Picasso in Palestine entstand. Außerdem gestaltete er Comics und Texte über zeitgenössische Kunst und künstlerische Forschung, Kulturpolitik und Urbanismus und veröffentlichte Beiträge in internationalen Magazinen wie A-Prior, e-flux journal und Vector – critical research in context.

Niko HOFINGER ist Historiker, Ausstellungsmacher sowie selbsständiger Software- und Multimediaunternehmer in Innsbruck. Seit 1996 fungiert er als „Haushistoriker“ der lokalen jüdischen Gemeinde. Seine jüngste Publikation, Maneks Listen (Limbusverlag 2018) ist ein Parforceritt durch das Leben von Ernst Beschinsky, des 1987 verstorbenen Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Tirol-Vorarlberg.

Lukas MORSCHER ist Historiker und Jurist sowie Leiter des Stadtarchivs/Stadtmuseums Innsbruck. Zahlreiche Publikationen insbesondere zu unterschiedlichen Aspekten der Regionalgeschichte Innsbrucks und Tirols. Seit 2011 erscheint bei Haymon seine Reihe Innsbrucker Alltagsleben.

Sabine PITSCHEIDER ist Historikerin und seit 2008 Universitätsassistentin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Österreichischen Geschichte nach 1945 mit dem Schwerpunkt Tirol sowie mit Parteiengeschichte, sozialer Disziplinierung und der Entnazifizierung in Tirol.

Veranstaltungsort
Künstlerhaus Büchsenhausen

Weiherburggasse 13
A-6020 Innsbruck
+43 512 278627
office@buchsenhausen.at