Days In Between

Eine Ausstellung von MARIANNA CHRISTOFIDES in Kooperation mit dem KÜNSTLERHAUS BÜCHSENHAUSEN

Image credit: Marianna Christofides, "Days in Between. Still Life", 2019, single-channel film, 16mm and archival footage digitally transferred © Marianna Christofides / VG Bild-Kunst, Bonn, 2019, courtesy of the Muzeul Naţional de Istorie Naturală Grigore Antipa

Marianna CHRISTOFIDES (*1980 in Nicosia, lebt in Berlin) ist eine der international profiliertesten GegenwartskünstlerInnen aus Zypern. In ihren Filmessays und Filminstallationen interessiert sie sich für das Nebeneinander geologischer und sozio-historischer Narrative sowie für den Gebrauch bzw. Missbrauch des Naturbegriffs als Rechtfertigung eines Determinismus, der nichts anderes versucht, als den kontingenten Charakter von Dingen und kultureller Gegebenheiten zu verschleiern. In ihrer ersten Einzelausstellung in Rumänien zeigt Christofides die multimediale Rauminstallation Days In Between, eine sorgfältige Rekonfiguration des gleichnamigen Single-Channel-Filmessays, den die Künstlerin erstmals 2015 produzierte. Die neue Version ist eine Mehrkanalinstallation bestehend aus 16mm-Projektionen sowie Audiospuren dargestellt in einer vielfältigen räumlichen Mise-en-Scène. Die Installation kombiniert vorhandenes Filmmaterial mit aktuellem Material, das im Frühjahr 2019 in Bukarest aufgenommen wurde und rund um das verheerenden Erdbeben in Vrancea von 1977 entstand.

Am Beginn der Arbeit stand die Suche nach Orten, wo Grenzen auf Grund geografischer und topografischer Gegebenheiten zwangsläufig unbestimmt bleiben. Die Künstlerin interessierte sich für das Verhältnis zwischen einer metaphorischen, aber auch politischen Rhetorik, die die „soziale Natur“ der Balkanregion als Bruchzone, Bruchlinie oder Epizentrum großer (historischer) Erschütterungen charakterisiert, und den seismologischen Fakten, die nicht unbedingt mit dieser Einschätzung übereinstimmen. Der unwiederbringliche Verlust eines großen Teils des im Laufe mehrerer Jahre gefilmten Materials zwang jedoch die Künstlerin, diese Orte erneut aufzusuchen, um dann festzustellen, dass diese sich bereits so stark verändert hatten, als dass ein Wiedereinfangen der verlorengegangenen Bilder nicht mehr möglich war. Dementsprechend richtete sich nun die Aufmerksamkeit auch auf Vorgänge des Verlorengehens und spurlosen Verschwindens, auf das Ephemere des Imaginären und des Materiellen gleichermaßen. Das Ergebnis eröffnet einen unkonventionellen Blick auf den psychogeografischen Komplex Südosteuropas entlang von Wahrnehmungs- und Denkfragmenten, die über das stereotype Imaginäre des Westens und über die Vergangenheit und Gegenwart der Region hinausgehen.

Die Ausstellung ist eine exklusive Kooperation mit dem Künstlerhaus Büchsenhausen (Innsbruck, Austria).

Künstlerin: Marianna Christofides
Kurator: Andrei Siclodi
Koordinatoren MNAC: Sandra Demetrescu, Alexandru Oberlander
Kooperationspartner: Künstlerhaus Büchsenhausen, Innsbruck/Austria
Unterstützt von: Institut für Auslandsbeziehungen (IfA), Deutschland, Bundesland Berlin, Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Republik Zypern
Besonderer Dank gilt: Muzeul Naţional de Istorie Naturală Grigore Antipa, Muzeul Naţional de Geologie, Galeria Plan B, Cinelab Romania, Goethe Institute Bukarest

Marianna CHRISTOFIDES wuchs auf Zypern auf und ist derzeit in Berlin tätig. In ihren Arbeiten beschäftigt sich Christofides mit verflochtenen Geschichten, die die unterschiedlichen Ebenen von mehrfach erzählenden Orten konstituieren. Spuren von schleichender Gewalt im räumlichen Gefüge, sowie subtile Manifestationen von Prekarität werden durch Langzeitbeobachtungen und einer physischen Auseinandersetzung mit den erforschten Orten verhandelt. Die oftmals umkämpften Orte werden immer wieder von ihr besucht um deren Singularitäten und latenten Erzählungen aufzugreifen. Die Methode der rekursiven Rückkehr dient dazu, sich den komplizierten und fragmentierten Geschichten von Menschen in verschiedenen Regionen anzunähern.
In 2011 repräsentierte Christofides Zypern auf der 54. Biennale in Venedig. Sie hat internationale Ausstellungen gemacht – unter anderem an der Akademie der Künste in Berlin; am BOZAR, Palais des Beaux-Arts in Brüssel; am Nationalmuseum für zeitgenössische Kunst in Bukarest; an der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst in Bremen; bei der Videonale. 17, im Kunstmuseum Bonn; im Museo Riso Palermo; im Museum für Gegenwartskunst in Siegen; im Kunstpavillon Innsbruck; im Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Rijeka; auf der 5. Thessaloniki Biennale; im Nationalmuseum für zeitgenössische Kunst, Athen und im Museum für Photographie Braunschweig. Künstlerhäuser umfassen: die Villa Kamogawa, das Goethe-Institut, Kyoto; das Künstlerhaus Büchsenhausen, Innsbruck; Tabakalera in San Sebastian; IASPIS in Stockholm; die Villa Aurora in Los Angeles; das Gaswerk, London. 2019 wurde Christofides für den Berliner Kunstpreis nominiert.
mariannachristofides.com

Andrei SICLODI (*1972 in Bukarest) ist ein Kurator, Autor, Herausgeber und Kulturarbeiter, der in Innsbruck arbeitet. Er ist Direktor des Künstlerhauses Büchsenhausen in Innsbruck und Gründungsleiter des dort stattfindenden Fellowship-Programms für Kunst und Theorie. Darüber hinaus ist er Herausgeber der Publikationsreihe „BÜCHS‘N’BOOKS – Art and Knowledge Production in Context“ und Produzent der Radiosendung „Büchs’n’Radio“ auf Radio Freirad.

Veranstaltungsort

MNAC – Museum für zeitgenössische Kunst
Str. Izvor 2-4
Bukarest, Rumänien