foreword (language in the darkness of the world through inverse images)

Somewhere a curtain.
Motionless in its representation.
Captured in its own immobility.

The curtain, functionless, is just the décor for a model to be entered.
Smothering every tone and stifling all images that come and go.

(aus Dominique Hurth: language in the darkness of the world through inverse images, Eigenverlag, 2012, S. 158)

In foreword (language in the darkness of the world through inverse images) erzeugte Dominique Hurth das Modell einer Ausstellung, in der Bilder und ihre Bildunterschriften flackern und sich im Versuch eines retinalen Verharrens ihrem Verschwinden widersetzen. Subjektive Lesarten und Autorschaft verschmolzen darin zu einer Darstellung, die visuelle und textliche Informationen, statische und bewegliche Situationen in einem Stroboskopeffekt miteinander verflochten, als blättere man durch die Seiten des schriftlichen Vorworts zu einem Traumbuch der Geschichte. Die Untersuchungen der Künstlerin zur physischen Manifestation eines Buchs, zu kollektiven Lesungen und Séancen erzeugten eine Kulisse, einen farblichen Hintergrund für eine vibrierende Bewegung, in der Bilder zwischen den von ihnen hinterlassenen zahllosen (schriftlichen) Spuren oszillierten.

Der Titel der Ausstellung bezog sich sowohl auf Hurths Künstlerinbuch (2012) als auch auf die Struktur und das Schreiben eines Vorworts im Format einer Ausstellung. Darin und in der während ihres Aufenthalts in Büchsenhausen unternommenen Forschungsarbeit stellte die Künstlerin Autorschaft ebenso in Frage wie Bilder, Bildunterschriften, das Blättern durch Seiten und Bilder, den jeweiligen Rahmen (in Bezug auf Raum, Geografie und Sprache) sowie die Bildersprache (und die Leerstellen) persönlicher Erinnerung. Sie zitierte aus der Ausstellungsgeschichte sowie aus frühen kollektiven Leseséancen, während Bilder mit einer Endlosschleife von Bildunterschriften verwoben wurden.

Ein Objekt, dem die Untersuchung besondere Aufmerksamkeit widmete, war ein Vorhang, der sowohl Teil der Infrastruktur des Künstlerhauses Büchsenhausen ist als auch in Hurths Installation und darüber hinaus als Echo in der Gruppenausstellung Collectivity Matters im Kunstpavillon der Tiroler Künstlerschaft existierte. Indem sie ein Echo, eine Wiederholung schaffte und somit eine neue Positionierung vornahm, erforschte Hurth die haptische Manifestation des Objekts, das ebenso als Filter oder Kulisse fungiert wie als Trennmedium, Raumteiler oder ein Dekorationselement, das sich öffnen, etwas verbergen oder etwas simulieren kann. Sie reflektierte über die Berührung und die Undurchsichtigkeit des Faltenwurfs als Interpunktion für sich selbst beim Eintritt in ein Denkmodell, wobei der Vorhang zur Kulisse für die eigene Inszenierung der BetrachterInnen wurde, während sie die Ausstellung als Modell eines Bühnenbilds betraten, in dem jede Bewegung quasi die Richtung der Erzählung beeinflusste.
(Textvorlage: Dominique Hurth)

Dominique HURTH (*1985 in Colmar/FR) lebt in Berlin. Studium an der Saint Martin’s School of Art, London (BA 2005), an der Universität der Künste Berlin (Kunst im Kontext, MA 2007) und an der École Nationale Supérieure des Beaux Arts in Paris (MA Visual Arts 2009). Fine Art Researcher an der Jan van Eyck Academie in Maastricht (2010/11). Ausstellungen (Auswahl): procreated by husband, put on ice by scientists, aroused by wife, Clockwork Gallery, Berlin (solo, 2013), Blackout, Look 13, Liverpool International Photography Festival, Liverpool (2013), le périmètre interne, Institut Français, Barcelona, La Triennale – Intense Proximity, kuratiert von Okwui Enwezor, Palais de Tokyo Paris (2012), … aber wir sind der Sprache scheißegal, Archive Books Berlin (gemeinsam mit Scriptings, Achim Lengerer, 2012).
www.dominiquehurth.com

Veranstaltungsort
Künstlerhaus Büchsenhausen

Weiherburggasse 13
A-6020 Innsbruck
+43 512 278627
office@buchsenhausen.at