Landschaften der Unruhe: Körper, Erinnerungen, Aufstand

Bita Bell, Kandis Friesen, Jeanna Kolesova, Olia Sosnovskaya

 


Image: Olia Sosnovskaya, „Białowieża Forest (song)“, Standbild Performance, 2025.

 

Eine Ausstellung des Büchsenhausen Fellowship-Programms für Kunst und Theorie 2025-26

kuratiert von: Barbara Mahlknecht

AUSSTELLUNGSDAUER:
22. 05. – 01. 08. 2026

KUNSTPAVILLON
Rennweg 8a, 6020 Innsbruck

Die Ausstellung vereint Arbeiten der 2025–26 Fellows Bita Bell, Kandis Friesen, Jeanna Kolesova und Olia Sosnovskaya. Die Künstler*innen spüren Formen von Widerstand und Erinnerung im Spannungsfeld von Imperialismus, Extraktion und kolonial-kapitalistischer Gewalt in Vergangenheit und Gegenwart nach. Sie erforschen, wie Körper, Landschaften und architektonische Ruinen Zeuginnen sind, aber auch zu Schauplätzen von Unruhe und Aufstand werden können.

Bita Bells Arbeit setzt sich mit Solo-Protest-Performances im öffentlichen Raum auseinander. Durch Schreiben und Bewegung begreift sie Choreografie als Muster sozialen Verhaltens, das aufzeigt, wie Orientierung, Stille, Dauer, Wiederholung und Spuren die Beziehungen zwischen Körpern, Räumen und ihren Kräften neu ordnen. Kandis Friesens Forschung folgt den materiellen und ephemeren Spuren des 1959 geschlossenen ehemaligen sowjetischen Gulag-Lagers Karlag in Karaganda, wo Architektur, Landschaft und Klang historische Erinnerungen bewahren und weitergeben; Jeanna Kolesovas filmische Arbeit begreift Feuchtgebiete und Moorlandschaften als ökologische, politische und kulturelle Archive gewaltvoller Zerstörung ebenso wie möglicher Widerstandsfähigkeit, die sich filmisch in der Figur des Sumpfgeistes verkörpern; und Olia Sosnovskayas Forschungsprojekt begreift den Białowieża-Wald als umkämpften historischen Raum – geprägt von imperialem Verfall, Partisanenaufständen und der „Flüchtlingskrise“ seit 2021 – und untersucht ihn künstlerisch als Archiv von Rohstoffabbau, Grenzregimen sowie als Ort von Wissen und Revolte.

Die Ausstellung zeigt, wie kollektive und individuelle Erinnerung in Körpern, Landschaften, Architekturen sowie in mündlicher Überlieferung, Liedern und geisterhaften Spuren fortlebt – und wie sie, nicht zuletzt durch künstlerische Imagination, als Kraft von Unruhe, Aufstand und Widerstand wirksam werden kann.

Eröffnung
21.05.2026, 18:30 Uhr


 

Bita Bell ist eine in Wien lebende Tanzkünstlerin, Komponistin und Autorin. Ihre Praxis gründet auf dem Konzept des Körpers als Archiv und konzentriert sich auf die Schnittstellen zwischen kollektivem Gedächtnis und individueller Erzählung. Sie war Fellow an der THIRD DAS Graduate School in Amsterdam und erhielt sowohl das Startstipendium für Musik und darstellende Kunst des österreichischen Bundesministeriums als auch das danceWEB-Stipendium des ImPulsTanz Festivals. Ihre jüngste Performance „The Sun Is Gone“ feierte Premiere im TanzQuartier Wien und entstand in Koproduktion mit diesem.
www.bitabell.com

Kandis Friesen arbeitet mit dem zerfallenden und zerstreuten Monumentalen. Ihre jüngsten Arbeiten in den Bereichen Video, Skulptur, Klang und Installation nutzen Geschichte als zentrales Material und schaffen provisorische Strukturen für Resonanz, Neupositionierung und Verfall. Sie arbeitet oft mit Methoden des Transplantierens und der Wiederveröffentlichung (etwas erneut öffentlich machen) und verstärkt dabei ortsspezifische Geschichten und die Strukturen, die diese bewahren und weitergeben.

Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt und gezeigt, unter anderem in der Galerie im Turm (Berlin), Kunst im Stadtraum (Berlin), im Nationalen Kunstmuseum Odessa (Odessa), auf der CAFKA Biennale für Kunst im öffentlichen Space (Waterloo), Roman Susan, auf der Chicago Architecture Biennial (Chicago), Plug In ICA (Winnipeg), Festival International du Film sur l’Art (Montréal), MIX (NYC), Jihlava IDFF (Jihlava) und Images Festival (Toronto). Friesens Arbeit wurde durch Stipendien der Graham Foundation und des Canada Council for the Arts sowie durch Residenzen bei Rupert, Bemis Centre und Künstlerhaus Bethanien unterstützt. Sie stammt aus Winnipeg und Montréal und lebt in Berlin.

www.kandisfriesen.com

Olia Sosnovskaya ist eine Künstlerin, Autorin und Kulturorganisatorin, geboren in Minsk (BLR), lebt in Wien. Ihre künstlerische und wissenschaftliche Praxis verbindet Performance, bildende Kunst, text- und workshopbasierte Aktivitäten und befasst sich mit Formen politischer Organisation, Protestchoreografien, Bewegungspartituren und Schnittstellen zwischen Festlichkeit und Politik. Sie ist Mitglied der selbstorganisierten Plattform WHPH / Decentric Circles (https://workhardplay.pw/) und der künstlerisch-forschenden Gruppe Problem Collective, 10 die sich mit Streiks, Archiven, Lesepraktiken und Werkzeugen für die Auseinandersetzung mit übersehenen Geschichten und sozialen Kämpfen beschäftigt (https://problemcollective.org/).

Derzeit ist sie Doktorandin an der Akademie der bildenden Künste Wien.

Ihre individuellen und kollektiven Arbeiten wurden unter anderem in der Kunsthalle Wien, bei e-flux, im Tanzquartier Wien, im Museum of Modern Art (Warschau), auf der Kyiv Biennial, der Biennale Matter of Art (Prag), im HKW (Berlin), im HAU (Berlin), auf der Manifesta Biennial (Kosovo) und auf der documenta fifteen präsentiert.

www.oliasosnovskaya.com

Jeanna Kolesova ist ein*e Künstler*in, Filmemacher*in und Researcher*in. Deren Arbeit beschäftigt sich mit der Manipulation von Geschichte und kollektivem Gedächtnis, sowie dem Einfluss imperialer Infrastrukturen auf menschliche und nicht-menschliche Körper und Landschaften.

Kolesova studierte Dokumentarfilm und Fotografie in St. Petersburg, interaktive Medien am CalArts und Experimentalfilm und Neue Medien an der Universität der Künste Berlin. Deren künstlerische Praxis umfasst Film, Videoinstallationen, Lecture Performances und Schreiben und das vernetzen persönlicher und kollektiver Erzählungen um dominante nationalistische und koloniale Narrative zu entmythologisieren.

Kolesovas Arbeit wurde unterstützt mit dem Karl Hofer Stipendium (2023), der Stiftung Kunstfonds (2024), Goldrausch Künstlerinnenprojekt (2024), Schloss Wiepersdorf (2025) und mit dem Karl Schmidt-Rottluff Stipendium (2025-2027). Zu den jüngsten Ausstellungen gehören Brücke Museum Berlin (2025), Fotograf Festival, Prag (2024), Kunstraum Kreuzberg, Berlin (2024), nGbK Berlin (2023), EMOP Berlin (2023), HYBRID Biennale, Dresden (2022), Staatliche Kunsthalle Baden-Baden (2021) und das Museum für Fotografie, Berlin (2021).

www.jeannakolesova.com

Veranstaltungsort

Kunstpavillon
Rennweg 8a
A-6020 Innsbruck

+43 512 58 11 33
office@kuveti.at