Landschaften der Unruhe: Körper, Erinnerungen, Aufstand
Bita Bell, Kandis Friesen, Jeanna Kolesova, Olia Sosnovskaya

Eine Ausstellung des Büchsenhausen Fellowship-Programms für Kunst und Theorie 2025-26
kuratiert von: Barbara Mahlknecht
AUSSTELLUNGSDAUER:
22. 05. – 01. 08. 2026
KUNSTPAVILLON
Rennweg 8a, 6020 Innsbruck
Die Abschlussausstellung des Büchsenhausen Fellowship-Programms für Kunst und Theorie 2025/26 erkundet Formen des Widerstands und der Erinnerung inmitten der Widersprüche von vergangenem und gegenwärtigem Imperialismus, Ausbeutung und kolonial-kapitalistischer Gewalt. Die Künstler*innen untersuchen, wie Körper, Landschaften und architektonische Ruinen, mündliche Überlieferungen und gespenstische Spuren als Zeugen*innen fungieren und zu Orten von Unruhe und Aufstand werden: Bita Bells Arbeit setzt sich durch Schreiben und Bewegung mit Solo-Protestperformances im öffentlichen Raum auseinander und zeigt auf, wie Choreografie als Muster sozialen Verhaltens die Beziehungen zwischen Körpern, Räumen und ihren Kräften neu ordnen kann; Kandis Friesen folgt den materiellen und ephemeren Überresten des ehemaligen sowjetischen Gulags Karlag in Karaganda, wo Architektur, Landschaft und Klang historische Erinnerung übertragen; Jeanna Kolesova nähert sich Feuchtgebieten und Sümpfen als ökologischen, politischen und kulturellen Archiven gewaltsamer Zerstörung und potenzieller Resilienz; und Olia Sosnovskaya erforscht den Białowieża-Wald als umkämpften Raum, der durch imperialen Niedergang, Partisanenwiderstand und die sogenannte Flüchtlingskrise geprägt ist. In ihrer Gesamtheit fragen die Arbeiten, wie Erinnerung – individuelle wie kollektive –, nicht zuletzt durch künstlerische Imagination, zur treibenden Kraft von Unruhe, Aufstand und Widerstand werden kann.
Eröffnung
21.05.2026, 19:00 Uhr
Bita Bell ist eine in Wien lebende Tanzkünstlerin, Komponistin und Autorin. Ihre Praxis gründet auf dem Konzept des Körpers als Archiv und konzentriert sich auf die Schnittstellen zwischen kollektivem Gedächtnis und individueller Erzählung. Sie war Fellow an der THIRD DAS Graduate School in Amsterdam und erhielt sowohl das Startstipendium für Musik und darstellende Kunst des österreichischen Bundesministeriums als auch das danceWEB-Stipendium des ImPulsTanz Festivals. Ihre jüngste Performance „The Sun Is Gone“ feierte Premiere im TanzQuartier Wien und entstand in Koproduktion mit diesem.
www.bitabell.com
Kandis Friesen arbeitet mit dem zerfallenden und zerstreuten Monumentalen. Ihre jüngsten Arbeiten in den Bereichen Video, Skulptur, Klang und Installation nutzen Geschichte als zentrales Material und schaffen provisorische Strukturen für Resonanz, Neupositionierung und Verfall. Sie arbeitet oft mit Methoden des Transplantierens und der Wiederveröffentlichung (etwas erneut öffentlich machen) und verstärkt dabei ortsspezifische Geschichten und die Strukturen, die diese bewahren und weitergeben.
Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt und gezeigt, unter anderem in der Galerie im Turm (Berlin), Kunst im Stadtraum (Berlin), im Nationalen Kunstmuseum Odessa (Odessa), auf der CAFKA Biennale für Kunst im öffentlichen Space (Waterloo), Roman Susan, auf der Chicago Architecture Biennial (Chicago), Plug In ICA (Winnipeg), Festival International du Film sur l’Art (Montréal), MIX (NYC), Jihlava IDFF (Jihlava) und Images Festival (Toronto). Friesens Arbeit wurde durch Stipendien der Graham Foundation und des Canada Council for the Arts sowie durch Residenzen bei Rupert, Bemis Centre und Künstlerhaus Bethanien unterstützt. Sie stammt aus Winnipeg und Montréal und lebt in Berlin.
Olia Sosnovskaya ist eine Künstler*in, Autor*in und Kulturorganisator*in, geboren in Minsk (BLR), lebt in Wien. Sosnovskayas künstlerische und wissenschaftliche Praxis verbindet Performance, bildende Kunst, text- und workshopbasierte Aktivitäten und befasst sich mit Formen politischer Organisation, Protestchoreografien, Bewegungspartituren und Schnittstellen zwischen Festlichkeit und Politik. Sosnovskaya ist Mitglied der selbstorganisierten Plattform WHPH / Decentric Circles (https://workhardplay.pw/) und der künstlerisch-forschenden Gruppe Problem Collective, 10 die sich mit Streiks, Archiven, Lesepraktiken und Werkzeugen für die Auseinandersetzung mit übersehenen Geschichten und sozialen Kämpfen beschäftigt (https://problemcollective.org/).
Derzeit ist Sosnovskaya Doktorand*in an der Akademie der bildenden Künste Wien.
Die individuellen und kollektiven Arbeiten wurden unter anderem in der Kunsthalle Wien, bei e-flux, im Tanzquartier Wien, im Museum of Modern Art (Warschau), auf der Kyiv Biennial, der Biennale Matter of Art (Prag), im HKW (Berlin), im HAU (Berlin), auf der Manifesta Biennial (Kosovo) und auf der documenta fifteen präsentiert.
www.oliasosnovskaya.com
Jeanna Kolesova ist ein*e Künstler*in, Filmemacher*in und Researcher*in. Deren Arbeit beschäftigt sich mit der Manipulation von Geschichte und kollektivem Gedächtnis, sowie dem Einfluss imperialer Infrastrukturen auf menschliche und nicht-menschliche Körper und Landschaften. Kolesova studierte Dokumentarfilm und Fotografie in St. Petersburg, interaktive Medien am CalArts und Experimentalfilm und Neue Medien an der Universität der Künste Berlin. Deren künstlerische Praxis umfasst Film, Videoinstallationen, Lecture Performances und Schreiben und das vernetzen persönlicher und kollektiver Erzählungen um dominante nationalistische und koloniale Narrative zu entmythologisieren. Kolesovas Arbeit wurde unterstützt mit dem Karl Hofer Stipendium (2023), der Stiftung Kunstfonds (2024), Goldrausch Künstlerinnenprojekt (2024), Schloss Wiepersdorf (2025) und mit dem Karl Schmidt-Rottluff Stipendium (2025-2027). Zu den jüngsten Ausstellungen gehören Brücke Museum Berlin (2025), Fotograf Festival, Prag (2024), Kunstraum Kreuzberg, Berlin (2024), nGbK Berlin (2023), EMOP Berlin (2023), HYBRID Biennale, Dresden (2022), Staatliche Kunsthalle Baden-Baden (2021) und das Museum für Fotografie, Berlin (2021).
www.jeannakolesova.com
Veranstaltungsort
Kunstpavillon


















