Ruthia Jenrbekova: Live in Your Head: How to Tell What’s Real from What’s Really Real?
Ein Vortrag mit performativen Spuren von Ruthia Jenrbekova, moderiert von Olia Sosnovskaya (Fellow)

In der Lecture Performance Live in Your Head: How to Tell What’s Real from What’s Really Real? navigiert die Gastkünstler*in Ruthia Jenrbekova durch Phantominstitutionen, immaterielle Arbeit und Zauberpraktiken, um zu fragen, ob die Grenze zwischen Fiktion und Realität jemals neu gezogen werden kann – moderiert von Fellow Olia Sosnovskaya.
Das primäre Interesse der Künstler*in gilt dem Bereich des Unwirklichen und Nicht-Existenten. Dieses Forschungsfeld wirkt nicht seriös – eher kindisch, frivol und ignorant gegenüber dem Leid der Welt. Daher sucht Ruthia beständig nach der Möglichkeit, das Reich des Unwirklichen mit der gemeinsamen sozialen Realität zu verbinden, wie wir sie alle kennen – als etwas Beängstigendes und mitunter Unerträgliches. Diese Versuche, das Unverbindbare zu verbinden, helfen nicht – wenn überhaupt, machen sie die Dinge nur schlimmer. Dennoch führen sie zur Erkenntnis, dass die Grenze zwischen Realität und Fiktion nicht als selbstverständlich betrachtet werden sollte und bisweilen sogar neu gezogen werden kann. In ihrem performativen Vortrag teilt Ruthia Jenrbekova ihre Erfahrungen als queere Künstler*in in einem patriarchalen Land: das Arbeiten in einer imaginären Kunstinstitution, das Einrichten eines Phantombüros, das Beziehen eines immateriellen Lohns, der Umgang mit geisterhaften Angelegenheiten und das Praktizieren von Zauberei. Im Hintergrund dieser Geschichten steht die Frage nach Unsicherheit und (Un-)Glauben in Zeiten des Krieges. Warum scheinen Kunst und Poesie angesichts der Gewalt der 2020er Jahre fehl am Platz? Wie lässt sich navigieren zwischen dem grausamen queeren Optimismus (Laurent Berlant) und dem noch grausameren Trans-Pessimismus (Eva Hayward)? Und was bedeutet es für eine Künstler*in zu scheitern – angesichts der eigenen sozialen Irrelevanz?
Text: Olia Sosnovskaya
Barrierefreiheit:
Vor Ort:
Leider ist der Veranstaltungsort in Innsbruck nicht barrierefrei zugänglich. Rollstuhlfahrer*innen und hörbeeinträchtigte Menschen laden wir herzlich ein, über Zoom an der Veranstaltung teilzunehmen. In der Zoom-Übertragung gibt es die Möglichkeit, Untertitel einzuschalten. Die Toiletten sind als genderneutral gekennzeichnet. Es gibt Sitzgelegenheiten mit Rückenlehnen und Armlehnen sowie die Möglichkeit, auf dem Boden zu sitzen. Zudem steht ausreichend Platz zur Verfügung, um Mobilitätshilfen aller Art unterzubringen.
Online:
Die Veranstaltung ist hybrid und findet in englischer Sprache statt. Sie können entweder vor Ort im Künstler*innenhaus Büchsenhausen teilnehmen oder die Veranstaltung online über Zoom verfolgen. Um über Zoom an der Veranstaltung teilzunehmen, senden Sie eine E-Mail mit dem Betreff „Zoom Link: Olia“ an office@buchsenhausen.at. Den Zoom-Link erhalten Sie etwa eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung per E-Mail.
Ruthia Jenrbekova ist eine Intermediakünstlerin und Forscherin aus Zentralasien, geboren in Almaty, Kasachstan. Seit 2012 arbeitet sie in der Para-Institution Krёlex Zentrum. Ihre Interessensgebiete umfassen materielle Semiotik, kunstbasierte Methoden und Performancekunst. Derzeit ist sie PhD-in-Practice-Kandidatin an der Akademie der bildenden Künste Wien. Sie lebt in Almaty und Wien.
Olia Sosnovskaya ist eine Künstlerin, Autorin und Kulturorganisatorin, geboren in Minsk (BLR), lebt in Wien. Ihre künstlerische und wissenschaftliche Praxis verbindet Performance, bildende Kunst, text- und workshopbasierte Aktivitäten und befasst sich mit Formen politischer Organisation, Protestchoreografien, Bewegungspartituren und Schnittstellen zwischen Festlichkeit und Politik. Sie ist Mitglied der selbstorganisierten Plattform WHPH / Decentric Circles (https://workhardplay.pw/) und der künstlerisch-forschenden Gruppe Problem Collective, 10 die sich mit Streiks, Archiven, Lesepraktiken und Werkzeugen für die Auseinandersetzung mit übersehenen Geschichten und sozialen Kämpfen beschäftigt (https://problemcollective.org/).
Derzeit ist sie Doktorandin an der Akademie der bildenden Künste Wien.
Ihre individuellen und kollektiven Arbeiten wurden unter anderem in der Kunsthalle Wien, bei e-flux, im Tanzquartier Wien, im Museum of Modern Art (Warschau), auf der Kyiv Biennial, der Biennale Matter of Art (Prag), im HKW (Berlin), im HAU (Berlin), auf der Manifesta Biennial (Kosovo) und auf der documenta fifteen präsentiert.
Veranstaltungsort
Künstler*innenhaus Büchsenhausen