Start Up Lectures 2019-20

Präsentationen der neuen Fellows 2019-20 und Ausstellungseröffnung

Start Up Lectures 2019-20; Plakat-Gestaltung: Annette Sonnewend

Am Freitag, 11. Oktober 2019, um 19.00 finden in Büchsenhausen die Start Up Lectures des Fellowship-Programms für Kunst und Theorie 2019-20 statt.

In diesem Rahmen werden die neuen Fellows sich und ihre Arbeit vorstellen und einen Ausblick auf das jeweilige Arbeitsvorhaben in den kommenden Monaten gewähren.

Anna DASOVIĆ
Before the Fall there was no Fall: Thinking and acting between preenactment and reenactment

KURS (Miloš Miletić und Mirjana Radovanović)
Lessons in Defense: On the Culture of the Partisan Movement

Lena Ditte NISSEN
Reflexive Alliance

Airi TRIISBERG
Activist Biographies in Eastern Europe

Ausstellung:
Die Eröffnungsausstellung präsentiert Arbeiten der aktuellen Büchsenhausen-Fellows Anna Dasović, KURS (Miloš Miletić and Mirjana Radovanović), Lena Ditte Nissen und Airi Triisberg
Eröffnung:
Freitag, 11. Oktober 2019, 19.00
Ausstellungsdauer:
14. Oktober 2019 – 23. Januar 2020

Anna DASOVIĆs künstlerische Praxis konzentriert sich auf rhetorische Strukturen, die völkermörderische Gewalt sichtbar machen, die aber auch eingesetzt werden, um politisch unangenehme Aspekte solcher Konflikte zu verdecken. Sie fragt: An welchen ideologischen Narrativen nehmen Gewaltdarstellungen auf struktureller Ebene teil? Welche Formen von Trauma können solche Dokumente, die entweder im legislativen Bereich angesiedelt oder für das Archiv (hier im doppleten Sinn eines physischen Ortes aber auch als Metapher für kollektive Erniedrigung und Reue) konstitutiv sind, nicht bewältigen? Dasović hat Fotografie studiert, ihre Installationen und Videos weisen eine dementsprechende formale Präzision auf – heute arbeitet sie jedoch weitgehend interdisziplinär. Ihre Methodik schließt dabei Archiv- und Feldforschung, Interviews sowie bibliographische Recherche ein.

2017-2018 war Dasović Resident Artist an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten in Amsterdam. Sie ist Mitglied der Collection Collective, Template for a Future Model of Representation, einer Gruppe, die die gegenwärtige Krise der sammlungsbasierten Institutionen der zeitgenössischen Kunst untersucht und Potenziale in einem Modell der (Kunst-)Sammlung identifiziert, das gleichzeitig von Künstler_innen und anderen Kulturschaffenden zusammengestellt, besessen und betrieben wird. Ihre Arbeiten wurden an international bedeutenden Institutionen gezeigt, darunter in der Bergen Assembly, im Württembergischen Kunstverein Stuttgart, im Stedelijk Museum Bureau Amsterdam (SMBA), im Museum für moderne und zeitgenössische Kunst (MAMA) Algier, im Van Abbemuseum in Eindhoven, im Museum für jugoslawische Geschichte in Belgrad und im Niederländischen Photomuseum in Rotterdam. Zuvor war sie unter anderem Artist in Residence bei MAMA Algiers, Celeia Zentrum für zeitgenössische Kunst Celje Slowenien, Casa Tres Patios in Medellín und Residencia en La Tierra in Montenegro Kolumbien.

www.annadasovic.com

Miloš MILETIĆ und Mirjana RADOVANOVIĆ arbeiten gemeinsam an künstlerischen und forschungsbasierten Projekten unter dem Gruppennamen KURS. Darin erkunden sie, wie künstlerische Praxis zu verschiedenen sozialen Bewegungen beitragen und deren integraler Bestandteil werden kann. Ausgangspunkte hierfür sind oft Archivmaterialien, die sie mit revolutionärer Poesie und Prosa vermengen und einer Bildsprache progressiver Bewegungen aus der Vergangenheit unterziehen. Daraus entstehen meist Wandmalereien, Illustrationen und verschiedene Drucksachen wie Zeitungen, Poster oder Grafiken. Die so produzierten Inhalte sollten einem didaktischen Impetus folgen und dadurch für die breite Öffentlichkeit zugänglich und nachvollziehbar sein.

Projekte, die KURS in den letzten Jahren realisierte, sind unter anderem: die Recherche Lessons in Defense, die 2016 und 2017 über kulturelle Aktivitäten innerhalb der Volksbefreiungsbewegung durchgeführt wurde; die Wandmalerei Solidarity — to the International Brigades in Belgrad, die dem 80. Jahrestag der Gründung der Internationalen Brigaden gewidmet wurde; die Wandmalerei Struggle, Knowledge, Equality in Belgrad, anlässlich des Studententages, die Wandmalerei 20th October, anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung Belgrads; die Wandmalerei Factory to the Workers in der Itas-Prvomajska Fabrik in Ivanec, Kroation, als Teil des 13. Urban Festivals; ein Aufenthalt in Chile, in der AIR Casa Poli; Teilnahme an dem Persona Non Grata-Programm in Ankara, organisiert vom AsiKeçi Kollektiv; sowie die Wandmalerei What Do We Know About Solidarity während der Qalandiya Biennale 2018 in Palästina.

www.udruzenjekurs.org

Die dänisch-deutsche Künstlerin und Filmemacherin Lena Ditte NISSEN (1987 *, München) studierte Film und Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien Köln, der Universidad Nacional de Colombia und der Kunstakademie Düsseldorf. Ihre Filme, Performances und Installationen wurden international in Institutionen und auf Filmfestivals gezeigt, unter anderem am Museo de Arte Moderno in Rio de Janeiro, Bundeskunsthalle Bonn, Heidelberger Kunstverein, Museo de la Banco República Bogotá, ACUD MACHT NEU in Berlin, Filmmuseen in Frankfurt und Düsseldorf, KAI10|Arthena Foundation, Rubenstein Art Centre, CCA Centre for Contemporary Art Tbilisi, internationale Filmfestivals Edinburgh und Belo Horizonte, CPH:DOX in Kopenhagen, WNDX Festival of Moving Image, 25FPS Zagreb, Festival de nouveau cinéma Montréal, Anthology Film Archive NYC. Sie hatte Künstler-Residenzen bei SOMA Mexico, LIGHT CONE in Paris und lugar a dudas in Cali, Kolumbien.

Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit kuratiert Ditte Nissen seit 2013 auch Film- und Videoprogramme, die beispielsweise in der Cinemateca Nacional de Colombia und der Messe FAR OFF für zeitgenössische Kunst in Köln gezeigt wurden. 2018 erhielt sie zusammen mit Alisa Berger, mit der sie im Künstlerduo „bergernissen“ arbeitet, das Atelierstipendium des Bonner Kunstvereins.

lenadittenissen.com

Airi TRIISBERG ist eine unabhängige Kuratorin, Autorin und Pädagogin mit Sitz in Tallinn. Ihr Interesse gilt Themen wie Gender und Sexualität, Krankheit/Gesundheit und Un/fähigkeiten, Selbstorganisation und kollektive Fürsorgepraktiken sowie dem Kampf gegen prekäre Arbeitsbedingungen im Kunstbereich und darüber hinaus. Ihre Praxis operiert meist an der Schnittstelle zwischen politischer Bildung, Selbstorganisation und Wissensproduktion. Eines ihrer andauernden Forschungsinteressen konzentriert sich auf historische und gegenwärtige Momente, in denen die Erfahrungen eines Lebens mit Krankheit oder Beeinträchtigung im Dienste einer sozialkritischen Artikulation politisiert wurden. 2015 kuratierte sie Get Well Soon!, eine Ausstellung, in der soziale Imaginationen, die in den radikalen Bewegungen der 1970er Jahre wurzeln, künstlerischen Iterationen unterzogen wurden. 2010-2012 war Triisberg aktives Mitglied der Kunstarbeiterbewegung in Tallinn. 2015 veröffentlichte sie gemeinsam mit Minna Henriksson und Erik Krikortz das Buch Art Workers – Material Conditions and Labour Struggles in Contemporary Art Practice.

Veranstaltungsort
Künstlerhaus Büchsenhausen

Weiherburggasse 13
A-6020 Innsbruck
+43 512 278627
office@buchsenhausen.at