Image Diplomacy

Vladislav SHAPOVALOV

Vladislav Shapovalov, Filmstill Image Diplomacy, 2017, HD Video, 30 Min.

Als Follow-Up seines Büchsenhausen-Fellowships im Jahr 2016/17 zeigt Vladislav Shapovalov seinen neuen Film Image Diplomacy, der im Künstlerhaus Büchsenhausen entwickelt und in Zusammenarbeit mit der V-A-C Foundation in Moskau produziert wurde.

Der Film behandelt bestimmte historische Aspekte der Konstruktion des Politisch-Imaginären durch Ausstellungsstrategien und das Medium der Fotografie im 20. Jahrhundert: Einerseits geht es um sowjetische Fotoausstellungen und Filme, die während des Kalten Krieges die sozialistische Moderne repräsentieren sowie ein kontrolliertes, positiv konnotiertes Bild der UdSSR vermitteln sollten. Andererseits stellt der Film dieser Repräsentationspolitik ihr westliches Pendant gegenüber: Edward Steichens berühmte und kontrovers diskutierte Fotoausstellung The Family of Man, die von den USA nach 1955 ebenfalls politisch instrumentalisiert, 2003 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhoben wurde und heute in Clervaux, Luxemburg als Permanentausstellung besichtigt werden kann. Zur Umsetzung dieser kritischen Investigation verwendete der Künstler Foto- und Filmmaterialien aus Archiven in Italien, Russland und den USA. Mit dokumentaristisch-essayistischen Mitteln entwirft Shapovalov eine filmische Narration, die aufzeigt, wie die sozialen und politischen Ideale der Sowjetunion während des Kalten Kriegs mit den Mitteln kultureller Diplomatie transportiert wurden. Sozialpolitische Ideale – der freie Zugang zur Bildung, zum Gesundheitswesen und zu ausreichendem Wohnraum, die Emanzipation der Frauen – sowie realpolitische Strategien – die „Eroberung“ des Weltraums, der sozialistische Internationalismus in der sog. Dritten Welt – bilden dabei das thematische Rückgrat einer visuellen Kommunikationspolitik, die der amerikanischen Family of Man-Ausstellung in ihrer Komplexität und ihrem universalistischen Anspruch in nichts nachsteht. Image Diplomacy von Vladislav Shapovalov bringt schließlich gesellschaftlich weiterhin höchstrelevante aber nach dem Niedergang des Kommunismus vergessene beziehungsweise in den Hintergrund gerückte Fragen zurück in die Gegenwart.

Vladislav Shapovalov (*1981, Rostow-am-Don, Russland) ist Künstler und Forscher, der in Mailand und Moskau lebt und arbeitet. Er war Mitglied der Künstler_innengruppe Radek Community (1999-2007). Seit 2008 hat er als Einzelkünstler an Projekten gearbeitet, die sich vor allem mit der Neubewertung von Bildern, kulturellen Artefakten und der Konstruktion von Narrativen beschäftigt, die dazu dienen, geopolitische Konfigurationen zu konstruieren und zu analysieren. Shapovalov war 2016/17 mit Unterstützung der Stadt Innsbruck Teilnehmer am Fellowship-Programm für Kunst und Theorie im Künstlerhaus Büchsenhausen. Gegenwärtig bereitet er seine erste Einzelausstellung Image Diplomacy im Moscow Museum of Modern Art vor (ab 17.11.2017), in der unter anderem der gleichnamige Film sowie die in Büchsenhausen produzierte Installation I Left My Heart in Rodhesia (2017) gezeigt werden. Eine weitere Einzelausstellung von Vladislav Shapovalov findet ab Anfang Dezember 2017 bei ar/ge kunst in Bozen statt.

Zu seinen jüngsten Ausstellungsbeteiligungen gehören Atlas [of the ruins] of Europe, kuratiert von Julia Morandeira Arrizabalaga und José Riello, CentroCentro, Madrid, 2016; Fear. The Origin of the State, kuratiert von Fedor Blašák und Christian Kobald, Nová synagóga / Kunsthalle Žilina, Slowakei, 2015; The School of Kyiv, Biennale von Kiew, kuratiert von Hedwig Saxenhuber und Georg Schollhammer, Kiew, 2015; Sources Go Dark, kuratiert von Valerio Borgonuovo und Silvia Franceschini, Futura Center for Contemporary Art, Prag, 2015.

vladislavshapovalov.com

Veranstaltungsort
Künstlerhaus Büchsenhausen

Weiherburggasse 13
A-6020 Innsbruck
+43 512 278627
office@buchsenhausen.at