Bettina Knaup

Cecilia Vicuña, Galaxy of Litter, Hudson River New York, 1989. Foto: César Paternosto

common wastes

Im Rahmen ihrer Fellowship arbeitet die Kuratorin Bettina Knaup an ihrem neuen Projekt common wastes – einem langfristigen, transnational ausgerichteten Residenz- und Forschungsvorhaben, das modellhaft Kunstinstitutionen und Abfallinfrastrukturen (wie Deponien oder Recyclinganlagen) in dauerhafte Beziehungen und Austauschprozesse einbinden möchte.

Die (neo-)koloniale Praxis, toxische Überreste zu exportieren, auszulagern, zu versenken und zu vergessen, stößt zunehmend auf Widerstand und auch an faktische Grenzen. Müll verschwindet nicht, er taucht wieder auf, und er bleibt, nahezu überall, wenn auch nicht gleichmäßig verteilt. So betrachten Wissenschaftler:innen die zahllosen über den ganzen Planeten verstreuten Mülldeponien des 20. und 21. Jahrhunderts bereits als das größte menschliche Vermächtnis auf dem Planeten Erde. Vielleicht sind diese großteils unterirdischen Formationen sogar alles, was bleiben wird – ein verteiltes, groß angelegtes Reste- und Materiallager, Archiv, oder gar Kulturdenkmal? Das Projekt common wastes schlägt daher vor, die in die Erde, Luft und Wasser exzessiv eingebrachten Müllmengen als eine Form des Gemeinguts und des Kulturerbes zu erforschen, aber auch das Wachstumsparadigma und Produktivitätsethos von Kunst- und Kulturinstitutionen einer kritischen Prüfung zu unterziehen.

Das Projekt basiert auf Bettina Knaups Promotionsarbeit performing (as) waste und ist von der Arbeit zahlreicher Künstler:innen und Wissenschaftler:innen inspiriert, die Müll als dauerhaft, als jenseits menschlicher Verwertungszusammenhänge betrachten, und mit Formen des (Nicht-)Wissens in Bezug auf dieses scheinbar tote Material experimentieren.

Im Rahmen ihrer Fellowship untersucht Bettina Knaup u.a., was es für das Künstlerhaus Büchsenhausen bedeuten könnte, seine Abfälle – die verworfenen Projekte, verbrauchten Energien und Materialien, die meist unsichtbaren Beziehungen zu den unterschiedlichsten Instandhaltungsarbeiter:innen, die den Betrieb einer Institution ermöglichen – zur Kenntnis zu nehmen, zu berücksichtigen und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen?

Bettina Knaup, freie Kuratorin und Autorin (Berlin), hat zahlreiche internationale Festivals, Ausstellungen und Projekte (ko-)kuratiert, darunter das International Festival of Contemporary Arts City of Women (Ljubljana, 2001–2004), performing proximities (Beursschouwburg, Brüssel, 2008), performance platform. body affects (Sophiensaele, Berlin, 2012) und das Archiv- und Performanceprojekt re.act.feminism, das von 2008 bis 2013 durch Europa tourte (u.a. Akademie der Künste Berlin, Fundació Antoni Tàpies, Barcelona, Wyspa Institute of Art, Gdańsk, Tallinn Art Hall) und 2022 im Rahmen der Manifesta 14 in Pristina eine Neuauflage erfuhr. Sie publiziert, unterrichtet und arbeitet regelmäßig mit anderen Künstler:innen und Kurator:innen zusammen.