Fellowship-Programm für Kunst und Theorie 2025-26
Liebe Freund*innen des Künstler*innenhauses Büchsenhausen,
In einer Zeit, in der der Imperativ, genau hinzusehen und gründlich zu kontextualisieren, zunehmend vermieden wird, wagen die Fellows des diesjährigen Fellowship Program for Art and Theory 2025–26, ihre aufmerksame Wahrnehmung auf spezifische Landschaften und körperliche Gesten zu richten. Jedes Thema ist sorgfältig in seinen Kontext eingebettet, jeder Kontext offenbart die vielschichtigen Verflechtungen zwischen individueller Handlungsmacht, kollektiver Erinnerung, Geschichte und politischer Transformation. Die Ergebnisse der Arbeit der Fellows Bita Bell, Kandis Friesen, Jeanna Kolesova und Olia Sosnovskaya entfalten sich als präzise Untersuchungen von Resilienz und Verfall, Erinnerung und Verkörperung und zeigen, wie künstlerische Forschung zugleich Zeugnis und Transformation sein kann. Sie erinnern uns an das Potenzial einer ausdauernden Forschung – einer Arbeit, die sich weder hetzen noch für die schnelle, aufmerksamkeitsheischende Konsumierbarkeit verwässern lässt.
In ihrer Arbeit Echoes of Solo Resistance and Autonomous Protest, erforscht Bita Bell die Choreografien einzelner und individueller Protestaktionen im öffentlichen Raum. Der Fokus der Arbeit liegt auf dem Potenzial dieser Körper, durch ihre Präsenz und die Inanspruchnahme des Raumes kollektive Aufmerksamkeit zu erzeugen und soziale Transformation anzustoßen. Dieses Potential untersucht Bita Bell, indem sie Gesten, Raumorientierung und korporeale Entscheidungen innerhalb ihres spezifischen sozio-politischen Kontexts analysiert.
Kandis Friesen’s Projekt Karaganda, Karaganda ist in der langsamen Auflösung der Überreste von Karlag verankert, einem ehemaligen sowjetischen Gulag in Karaganda, Kazakhstan. Friesen arbeitet ortsspezifisch und in erweiterten, videoessayistischen Formaten. Das Projekt entfaltet sich dabei als eine Grammatik der Verbannung, die über Zerstreuung, Verwerfung und Verfall lehrt.
In In Zombie Fire erforscht Jeanna Kolesova europäische Moorlandschaften als ökologische, politische und kulturelle Archive der Zerstörung. Mit Fokus auf die baltischen Länder, Finnland, Deutschland und Russland zeichnet der Film nach, wie imperiale Infrastrukturen Moore und darin lebende Gemeinschaften prägten, die noch immer Zeugnis gewaltsamer Umwandlungen ablegen.
Schließlich steht in Olia Sosnovskaya’s Projekt „Fog is the Bison of History“ der Białowieża- Wald an der weißrussischen-polnischen Grenze als ein vielschichtiger Ort der Geschichte im Zentrum. Die Ge-schichten erzählen über den Kampf um kollektive Erinnerung, Nationenbildung, Extraktivismus, Konservierungs- und Grenzpolitiken, Interimperialismus, Wissensproduktion und die (Nicht-)linearität von politischer Zeit. Der Titel des Projekts ist ein Zitat aus Valzhyna Mort Gedicht Music for Girl’s Voice and Bison (2018).
Die Fellows stellten sich, ihre Arbeit und ihre Projekte im Rahmen der Start Up Lectures 2025 am Freitag, den 24. Oktober 2025, um 18 Uhr im Künstler*innenhaus Büchsenhausen vor.
Weitere Veranstaltungen:
- Büchsenhausen Focus Weeks 2026 (16. März – 3. April 2026)
- Abschlussausstellung des Fellowship-Jahres 2025–26 im Kunstpavillon der Künstler*innen Vereinigung Tirol (21. Mai 2026)
- Veranstaltungen im Rahmen der Abschlussausstellung: tba
Aktuelle Informationen zu unserem Fellowship-Programm und unseren Veranstaltungen finden Sie auf unserer Website, auf Facebook, Instagram und in unserem Newsletter.
Wir wünschen Ihnen anregende und erkenntnisreiche Begegnungen mit dem Büchsenhausen Fellowship Program for Art and Theory!
Das Team des Künstler*innenhauses Büchsenhausen