Familienforschung und Genderrollen im Nationalsozialismus

Gespräch zwischen Lena Ditte NISSEN (Fellow) und Sandra FRANZ (Historikerin, Leiterin des NS-Dokumentationsstelle Krefeld), moderiert von Nora HESPERS (Journalistin)

Lena Ditte Nissen: Videostill, 2020

Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt.

Die Veranstaltung stellt die aktuelle Arbeit der dänisch-deutschen Künstlerin und Filmemacherin Lena Ditte Nissen vor. Im Rahmen ihres Fellowships in Büchsenhausen arbeitete sie die NS-Vergangenheit ihrer Familie auf. In ihrem Projekt Reflexive Alliance ging sie Fragen nach intergenerationellen Folgen des Nationalsozialismus, generationenübergreifendem Wissenstransfer sowie politischer, aber auch individuell-emotionaler Positionierungen im Verhältnis zum Nationalsozialismus nach. Dabei richtete sie den Blick insbesondere auf die Frauen in ihrer Familie.

Im Zuge des Fellowships in Büchsenhausen hat Nissen in Zusammenarbeit mit dem Gruppenanalytiker und Professor für Kulturpädagogik Jochen Bonz sowie einer Gruppe von Freiwilligen aus Innsbruck und Umgebung die Memoiren ihrer Großmutter aufgearbeitet. Daraus entstanden eine Lecture-Performance und eine 3-Kanal-Videoarbeit mit dem Titel „Nehmt es wie es ist“ – letztere ist gegenwärtig in der Abschlussausstellung des Büchsenhausen Fellowship-Programms für Kunst und Theorie 2019-20 mit dem Titel Identity is Uncertainty #2 im Kunstpavillon der Tiroler Künstler:innenschaft zu sehen (bis 13. März 2021).

Von der bisherigen Auseinandersetzung ausgehend wird Lena Ditte Nissen ein Gespräch mit der Historikerin Sandra Franz führen. Nissen und Franz lernten sich 2019 bei einem von der NS-Dokumentationsstelle Krefeld organisierten Symposium mit dem Titel Täter:innen und Opfer im Nationalsozialismus und die Bedeutung von Geschlecht kennen. Das Gespräch wird von der Journalistin und Podcasterin Nora Hespers moderiert, die in Blog, Podcast und Buch ebenfalls die Vergangenheit ihrer Familie erforscht. Diese engagierte sich, im Gegensatz zu Nissens Familie, in dem Widerstand gegen das NS-Regime.

Nach einem Impulsvortrag von Sandra Franz werden Lena Ditte Nissen aber auch Nora Hespers aus ihren Erfahrungen mit der konkreten Familienforschung berichten und das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.

„In der aktuellen politischen Situation eines zunehmenden Nationalismus in Deutschland und Europa will ich meine Möglichkeiten nutzen, um diese Entwicklung zu kommentieren und mich öffentlich und künstlerisch klar zu positionieren. Ich will mit meiner Arbeit argumentieren und sie als Diskussionsgrundlage nutzen“, sagt Lena Ditte Nissen.

Sie sind herzlich eingeladen, sich an dem Gespräch zu beteiligen!

Die dänisch-deutsche Künstlerin und Filmemacherin Lena Ditte NISSEN (1987 *, München) studierte Film und Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien Köln, der Universidad Nacional de Colombia und der Kunstakademie Düsseldorf. Ihre Filme, Performances und Installationen wurden international an Institutionen und auf Filmfestivals gezeigt, unter anderem am Museo de Arte Moderno in Rio de Janeiro, Bundeskunsthalle Bonn, Heidelberger Kunstverein, Museo de la Banco República Bogotá, ACUD MACHT NEU in Berlin, Filmmuseen in Frankfurt und Düsseldorf, KAI10|Arthena Foundation, Rubenstein Art Centre, CCA Centre for Contemporary Art Tbilisi, internationale Filmfestivals Edinburgh und Belo Horizonte, CPH:DOX in Kopenhagen, WNDX Festival of Moving Image, 25FPS Zagreb, Festival de nouveau cinéma Montréal, Anthology Film Archive NYC. Sie hatte Künstler-Residenzen bei SOMA Mexico, LIGHT CONE in Paris und lugar a dudas in Cali, Kolumbien.

Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit kuratiert Nissen seit 2013 auch Film- und Videoprogramme, die beispielsweise in der Cinemateca Nacional de Colombia und der Messe FAR OFF für zeitgenössische Kunst in Köln gezeigt wurden. 2018 erhielt sie zusammen mit Alisa Berger, mit der sie im Künstlerduo bergernissen arbeitet, das Atelierstipendium des Bonner Kunstvereins.

lenadittenissen.com

Sandra FRANZ (*1981), Historikerin und Jiddistin, studierte an der HHU Düsseldorf und der University of Oxford. Sie war von 2011 bis 2016 wissenschaftliche Angestellte am Lehrstuhl für Neuere und Neueste
Geschichte der HHU und von 2009 bis 2018 freie Mitarbeiterin der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf. Sie war beteiligt an transnationalen Projekten mit Großbritannien, Südkorea und den USA. Seit 2018 leitet sie die NS-Dokumentationsstelle in Krefeld. Zudem schreibt sie aktuell an ihrem Promotionsprojekt: Strange people in a strange, enemy country: Das britische Deutschlandbild der Besatzungsmacht 1944-1953. Ihre
Forschungsschwerpunkte sind Jüdische Gesellschafts- und Emanzipationsgeschichte, Holocaust-Studien, Antisemitismus-Prävention, deutsch-britische Geschichte, die britische Besatzungszone nach 1945, sowie viktorianische Trauerkultur.

Nora HESPERS (*1978) ist freie Journalistin und Podcasterin. Seit 2003 arbeitet sie für verschiedene, öffentlich-rechtliche Sender in den Bereichen Hörfunk, Online, Social Media und TV. Seit 2015 ist sie Podcasterin. Hespers wurde 2018 für den Grimme Online Award nominiert, aufgrund ihres Blog- und Podcastprojekts Die Anachronistin, in dem sie die Lebensgeschichte ihres Großvaters Theo, einem NS-Widerstandskämpfer, erzählt. Im gleichen Jahr erhielt auch ihr Philosophie-Podcast Was denkst du denn?, den sie gemeinsam mit der Philosophin Rita Molzberger 14-täglich produziert, ebenso eine Nominierung für den renommierten Preis. Aktuell arbeitet sie an ihrem Buch Mein Großvater, sein Widerstand gegen die Nazis und ich, das 2021 im Suhrkamp-Verlag erscheinen wird.

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