Exhibitions of Influence

Display and Film as Political Medium

Ausstellung UdSSR 1967 im Palazzo Reale, Mailand; Foto Courtesy: Kulturverein Italien-Russland, Mailand

Politiken und Strategien der Repräsentation sind eng miteinander verbunden. Hinsichtlich der Produktion ideologischer Formulierungen sowie der Verbreitung politischer Narrative waren die massenpolitischen Projekte des 20. Jahrhunderts in großem Ausmaß von visuellen Medien abhängig. Ausstellungskomplexe sowohl sozialistischer wie kapitalistischer Länder vermengten in ihrer Ausstellungsgrammatik Kunst, Fotografie, Kino, Design und mediale Experimente miteinander, um ihre jeweilige politische Agenda gegenüber den Publika in den Ersten, Zweiten und Dritten Welten voranzutreiben.

Der Titel des Symposiums paraphrasiert eine Aussage des Kurators und Kunstkritikers Bruce W. Ferguson, wonach „der Wille zur Einflussnahme das Kernstück einer jeden Ausstellung bildet“. Der Begriff „Ausstellung“ steht hier für den allgemeinen Akt des Zeigens, der dazu dient, Zeugnisse hervorzubringen, und umfasst das Medium der Kunst-, aber auch der Nicht-Kunst-Ausstellung, wie auch das Medium des fiktionalen und nicht-fiktionalen Kinos.

Die Symposiumsteilnehmer_innen Anna Ladinig (Slawistin, Innsbruck), Susan E. Reid (Kulturwissenschaftlerin, Loughborough), Oksana Sarkisova (Kulturwissenschaftlerin, Budapest) und Vladislav Shapovalov (Künstler, Mailand / Moskau) werden unterschiedliche historische Beispiele für den Einsatz des Kinos und von Ausstellungen als politisches Medium untersuchen. Wie ist es möglich, dass der Akt des Ausstellens, der an sich neutral zu sein scheint, immer schon politisch war und noch immer ist? Wie konstruiert die filmische Sprache Nationen, ethnische Identitäten und ideologische Räume? Wie konnte eine Ausstellung als Kontaktzone zwischen miteinander unvereinbaren politischen Systemen funktionieren? Und schließlich: wäre es möglich, die „Sprache“ der Ausstellung auch als Werkzeug einzusetzen, um die politische Funktion der Ausstellungspraxis zu untersuchen und neue Epistemologien des Ausstellens zu entwickeln?

Das diskursive Labor wurde von Vladislav Shapovalov im Kontext seines Fellowships im Künstlerhaus Büchsenhausen und seines Forschungsprojekts Image Diplomacy initiiert.

Vladislav Shapovalov (*1981, Rostow-am-Don, Russland) ist Künstler und Forscher, der in Mailand und Moskau lebt und arbeitet. Er war Mitglied der Künstler_innengruppe Radek Community (1999-2007). Seit 2008 hat er als Einzelkünstler an Projekten gearbeitet, die sich vor allem mit der Neubewertung von Bildern, kulturellen Artefakten und der Konstruktion von Narrativen beschäftigt, die dazu dienen, geopolitische Konfigurationen zu konstruieren und zu analysieren.

Zu seinen jüngsten Ausstellungen gehören Atlas [of the ruins] of Europe, kuratiert von Julia Morandeira Arrizabalaga und José Riello, CentroCentro, Madrid, 2016; Fear. The Origin of the State, kuratiert von Fedor Blašák und Christian Kobald, Nová synagóga / Kunsthalle Žilina, Slowakei, 2015; The School of Kyiv, Biennale von Kiew, kuratiert von Hedwig Saxenhuber und Georg Schollhammer, Kiew, 2015; Sources Go Dark, kuratiert von Valerio Borgonuovo und Silvia Franceschini, Futura Center for Contemporary Art, Prag, 2015.

vladislavshapovalov.com

Anna Ladinig studierte Slawistik und Romanistik an der Universität Innsbruck. Sie spezialisierte sich auf Film und verfasste ihre Masterarbeit in Slawistik über das kirgisische Kino der 1960er und -70er Jahre als identitätsstiftendes Instrument. 2017 kuratiert sie beim Internationalen Filmfestival Innsbruck einen Länderschwerpunkt zu Kirgistan.

Susan E. Reid ist Professorin für Kulturgeschichte im Fachbereich Politik, Geschichte und internationale Beziehungen an der Loughborough University (UK). Sie hat zahlreiche Texte über Malerei, visuelle und Materielle Kultur, Gender und Konsum in der Sowjetunion publiziert, in denen sie den Fokus auf den Kalten Krieg und speziell auf die Chruschtschow-Ära richtete, und interessiert sich insbesondere für das Format der Ausstellung sowie dessen Publika. Ihr Artikel Cold War Dialogue: Designing the USSR Pavilion at Brussels ’58 erscheint im Sommer 2017 in einer Extra-Ausgabe der Fachzeitschrift Design and Culture.

Oksana Sarkisova ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Blinken OSA Archiv an der Central European University in Budapest, sowie Direktorin des Verzio International Human Rights Documentary Film Festival, Budapest (www.verzio.org). Ihre Forschungsfelder umfassen Kulturgeschichte, Erinnerung und Repräsentation, Filmgeschichte, Amateurfotografie und Visual Studies. Sie ist die Autorin von Screening Soviet Nationalities: Kulturfilms from the Far North to Central Asia (2017), und Ko-Herausgeberin von Past for the Eyes: East European Representations of Communism in Cinema and Museums after 1989 (2008). Sie hat zahlreiche Aufsätze zur Filmgeschichte, Nationalitätenpolitik, zum russischen und osteuropäischen Kino der Gegenwart, sowie Amateurfotografie publiziert.

Veranstaltungsort
Kunstpavillon

Rennweg 8a
A-6020 Innsbruck
+43 512 58 11 33
pavillon@kuenstlerschaft.at

Mi-Fr 11.00 – 18.00
Sa 11.00 – 15.00