In the Name of the Mother: Canonizing matrilineal artistic legacies

Judith BRADL (Kunsthistorikerin, Kuratorin, Imageberaterin), Binta DIAW (Künstlerin), Rosalyn D’MELLO (Fellow), Anna HAGEN (Architektin), Margareth KASERER (Künstlerin), Monica LOCASCIO (Künstlerin)

Die versteinerten Überreste einer Johannisbeermarmelade, hergestellt von der Großmutter der Architektin Anna Hagen im Jahr 1992 in Sulden, Südtirol. Foto: Rosalyn D‘Mello.

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Rosalyn D’MELLO wird ihre laufende spekulative Arbeit In the Name of the Mother durch eine Auseinandersetzung mit Gastfreundschaft und dem Genre des Küchendiskurses fortsetzen. In the Name of the Mother ist eine Neubetrachtung von unbeachteten Lebensgeschichten und nicht kanonisierten Kunstwerken von Hausfrauen, Mystikerinnen und „alten Jungfern“, die mit dem matrilinearen künstlerischen Erbe zeitgenössischer Künstler:innen in Bezug gesetzt werden. Die Veranstaltung ist ein intersektionaler feministischer Versuch, institutionelle, rassistische und patriarchalische Vorstellungen darüber, was als Kunst „durchgehen“ darf, zu unterwandern.

Beginnend mit einer Blindverkostung von Marmelade, ermutigt sie freiwillige Teilnehmer:innen zu einer heiteren „Marmeladenkritik“. Dabei werden Kostproben von Marmeladen angeboten, die von Bewohnerinnen von Tramin, Rosalyns Südtiroler Wahlheimat, hergestellt wurden. Die eingeladenen Rednerinnen werden sich dann öffentlich über Fragen der weiblichen Subjektivität in der häuslichen Privatsphäre äußern, im Sinne eines Beitrags zu feministischen Traditionen, die jene Grenzen überschreiten, die festlegen, was als politische Kunst bezeichnet werden darf.

Binta DIAW wird über ihre Praxis und ihre Perspektiven in Bezug auf den Schwarzen weiblichen Körper sprechen.

Monica LOCASCIO wird den Schwerpunkt ihres künstlerischen Schaffens durch die Betrachtung formaler Traditionen, die sie von ihren Großmüttern erlernt hat, offenbaren. Darüber hinaus wird sie auch andere anzestrale Errungenschaften, die ihr gesamtes Werk prägen, thematisieren: das Arbeiten mit Textilien oder die künstlerische Auseinandersetzung mit Fermentationsprozessen.

Von ihrer Ausbildung als Architektin ausgehend wird Anna HAGEN Überlegungen über die Entität eines Marmeladenglases sowie die Gegebenheiten seines unmittelbaren Umfelds anstellen und dabei standardisierte architektonische Methodologien anwenden.

Plötzlich in der Nacht zweimal gegen eine Wand zu krachen, die Scherben unter einen dicken Teppich zu kehren, eine winzige Vertrauensrevolution im eigenen Körper zu vollziehen, die größere Dinge als die Welt miteinander verbindet, um dann einer Realität zu begegnen, die seltsamer, verletzlicher und herausfordernder ist, als man sich vorstellen kann, sind einige der Wege, durch die uns Margareth KASERER in ihren Ausflügen auf einem breit verzweigten Straßennetz namens “Mutter werden” führen wird.

Anhand eines hinterlassenen Tagebuchs wird Judith BRADL schließlich über die Stärke und das Leben ihrer Urgroßmutter Luise reflektieren, die als Waisenkind die Suche nach Heimat nie aufgegeben hat. Wie fühlte es sich an, keinen Ort als Zuhause bezeichnen zu können? Anhand ausgewählter Lektüren und Fotografien wird Bradl dem Publikum die kraftvolle Intimität von Luises subjektivem Empfinden nahebringen.

Als Gastgeberin wird Rosalyn die verschiedenen Abschnitte zu einem reichhaltigen Ganzen zusammenfügen, indem sie Gedichte und andere klangliche Interventionen von oder über Hausfrauen,- Mystikerinnen- und “alten Jungfer”-Künstlerinnen beisteuern wird.

Teilnehmerinnen:

Rosalyn D‘Mello wuchs als „Bombay Goan“ in Mumbai auf. Sie schloss ihr Studium der Englischen Literatur am St. Xavier’s College, Mumbai, ab und erhielt ihren Master-Abschluss am Centre of English Studies, Jawaharlal Nehru University, Delhi. Nach einer kurzen Tätigkeit als Theaterkritikerin in Mumbai, lebte sie ab 2010 für fast zehn Jahre in Delhi, bevor sie nach Tramin, einer Alpenstadt in der autonomen Provinz Südtirol in Italien, zog. In ihrer zehnährigen freiberuflichen Karriere hat sie als feministische Autorin, Kunstkritikerin, Kolumnistin, Essayistin, Redakteurin, Forscherin, Beraterin und Lektorin in verschiedenen Branchen gearbeitet.
Derzeit ist D‘Mello eine TBA21 Ocean Fellowship 2021 Mentorin. Sie ist die Autorin der von der Kritik gefeierten Memoiren A Handbook for my Lover. Sie ist außerdem Empfängerin eines Forschungsstipendiums der India Foundation for the Arts (2019-2020), das ihre laufenden Recherchen für ihr bei Oxford University Press, Indien, erscheinendes Buch unterstützt, das auf ihren Besuchen in indischen Künstlerateliers basiert. Seit Januar 2016 schreibt sie eine wöchentliche feministische Kolumne für mid-day, die auf ihren Memoiren basiert. Sie schreibt vierzehntägig Kunstkolumnen für STIR, und ihre Kritiken erscheinen häufig in der indischen Wochenzeitschrift Open. Ihre Texte sind in zahlreichen literarischen Anthologien erschienen, darunter Dress (HarperCollins India, 2018), Walking towards Ourselves: Indian Women Tell their Stories (HarperCollins India, 2016; Hardie Grant Australia, 2016) und Sammlungen von Kunstrezensionen, darunter Critical Writing Ensembles: Dhaka Art Summit 2016 (Office for Contemporary Art, Norwegen; Mousse Publishing, 2016) und Navigating the Planetary (Verlag für moderne Kunst, 2020). Zuvor war sie Herausgeberin von BLOUINARTINFO India (2012-2014) und wurde 2014 für den Forbes‘ Best Emerging Art Writer Award nominiert. Außerdem stand sie auf der Shortlist für den Prudential Eye Art Award for Best Writing on Asian Contemporary Art im Jahr 2014. Sie war Gutachterin für das Andy Warhol Foundation Art Writers Grant im Jahr 2020.
https://www.rosalyndmello.com/

Binta DIAW (1995) lebt und arbeitet in Mailand, Italien. Die Künstlerin hat an der Accademia di Belle Arti di Brera in Mailand und an der École Supérieure d‘Art et Design in Grenoble studiert.
Ihre plastischen Investigationen, die oft als Rauminstallationen umgesetzt werden, sind Manifestationen einer philosophischen Reflexion über soziale Phänomene, die unsere heutige Welt prägen, wie etwa Migration, Zugehörigkeit oder Identitätsfragen.
Binta Diaw bereichert ihre Investigationen mit intersektionalen und feministischen Herangehensweisen und lädt zur Erkundung mehrerer Identitätsebenen ein – ihre Identität als Schwarze Frau in einer europäisierten Welt, unsere Identität sowie die Ebene der fortwährenden Überschneidung von Geschichten und Geografien.
Jüngste Ausstellungen von Binta Diaw sind unter anderem: Les Filons Géologiques, Palazzo Accursio (Bologna, 2021); Museo Novecento (Florenz, 2021); Dïà s p o r a, Galerie Cécile Fakhoury, (Abidjan, 2021); School of Water-Mediterranea, Young Artists Biennale (San Marino, 2021); I have this memory, it is not my own, Galerie Cécile Fakhoury (Dakar, 2020); Waves Between Us, Sandretto Re Rebaudengo Foundation (Guarene, 2020); Nero Sangue, MAGA Museum (Gallarate, 2020); In Search of Our Ancestor’s Garden (Mailand, 2020); Soil is an Inscribed Body, Savvy Contemporary (Berlin, 2019).
https://www.bintadiaw.com

Monica C. LOCASCIO (*1984) ist eine Multimedia-Künstlerin, deren Arbeiten als Artefakte ihrer materiellen und theoretischen Recherchen über somatische Therapien, Epigenetik, molekulare und biologische Geometrien, Fermentation und Hierarchien von Wissen und Macht entstehen. LoCascio hat in Saudi-Arabien, Malaysia, Marokko und den Vereinigten Staaten gelebt. 2006 erhielt sie ihren BA mit Auszeichnung in New Media & Visual Arts vom Emerson College in Boston. Ihren MA mit Auszeichnung in Art&Science erhielt sie von der Universität für Angewandte Kunst in Wien, Österreich. Ihre Arbeiten wurden in den Biennale Sessions der Biennale Venedig 2019, im Naturhistorischen Museum Wien, in der Akademie der Bildenden Künste Krakau, am CERN sowie im Angewandte Innovation Lab ausgestellt. LoCascio ist Mitglied des Gründungsausschusses der Medicine & Media Arts Initiative an der UCLA. Sie lebt und arbeitet in Wien, Österreich.

Anna HAGEN ist Architektin und Buchgestalterin und lebt in Wien. Zu ihren Hauptinteressen zählen partizipative Gestaltungsprozesse und spontane Stadtentwicklungsstrategien. Derzeit beschäftigt sie sich primär mit dem sozialen Wohnbau.

Margareth KASERER (*1983, Italien) arbeitet als Landwirtin und Künstlerin. Sie ist Gründerin und Kuratorin der Künstlerresidenz und des Festivals Hotel Amazonas auf einem Bergbauernhof in Südtirol (seit 2012). Gelegentlich schreibt sie, manchmal legt sie auf, immer wieder kocht sie für andere. Seit 2020 ist sie Mutter eines Kindes.

Judith BRADL ist in Bozen geboren und aufgewachsen. Sie hat an der Universität Wien Kunstgeschichte studiert. Bradl arbeitete als kuratorische Assistentin und Wissenschaftlerin am Kunsthistorischen Museum in Wien und wirkte an Ausstellungsprojekten wie der Mark Rothko-Retrospektive, an Gesprächen mit Cecily Brown und Fiona Tan sowie an Kollaborationen des Museums mit dem Filmregisseur Wes Anderson und der Fondazione Prada mit. Sie hat ein digitales Magazin gegründet, das PR-Beratung und Betreuung von Social-Media-Aktivitäten umfasst, und hat mit Marken und Unternehmen wie Schloss Ambras (Innsbruck), Fortuny Fabrics (Venedig), Palais Liechtenstein (Wien), Stadt Salzburg, Bauhaus 100 (Berlin), Michael Lange Photography, Museée de l’Orangerie (Paris) und anderen zusammengearbeitet und deren Projekte realisiert.

Veranstaltungsort

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