Of(f) the Ground

Marianna CHRISTOFIDES

© Marianna Christofides / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Als Teil ihrer Arbeit im Rahmen des Fellowship-Programms zeigt die Künstlerin Marianna Christofides zwei eigene Essay-Filme, die im inhaltlichen Zusammenhang mit ihrer künstlerischen Investigation in Büchsenhausen stehen, sowie weitere damit verbundene Materialien.

Deer in the Park (24:40 Min., 2017) verbindet die Bedrohung durch Erdbeben und Naturkatastrophen, wie etwa einem Taifun, mit dem Ausgesetztsein, der Unsicherheit und dem Rückzug des Exils am Beispiel des deutschen Architekten und Stadtplaners Bruno Taut, der vor den Nationalsozialisten flüchtete und nach Japan emigrierte. Indem der Film die Betrachter_innen auf eine teils visuelle, teils essayistische Reise führt, ist er eine poetische Collage aus verschiedenen Quellen: eigene Filmaufnahmen, historische Pressefotos und Dias aus der Sammlung der Künstlerin verflechten sich mit Archivfotografien und Tagebuchauszügen Tauts.

Shelter Cove (13 Min., 2-Kanal-Video, 2015) stellt zwei Begegnungen auf einem Road Trip entlang der Nahtstelle von Nordamerikanischer und Pazifscher Platte, dem San Andreas-Graben in Kalifornien, nebeneinander und berührt dabei Fragen der Einheit mit der Natur, der Macht und des Ausgeliefertseins, der Verunsicherung als eines latent stets vorhandenen inneren Zustands. Bilder von ‚La Miniatura‘, einem von Frank Lloyd Wright entworfenen Wohnhaus in Pasadena, verbinden sich mit Aufnahmen von einem Wettkampf von Kajak-Fischern in Shelter Cove im Norden Kaliforniens, an dem Punkt, wo der San Andreas-Graben das Festland verlässt und seine Spur im Pazifk verschwindet.
Ablagerungen der Geschichte manifestieren sich in Mikro-Geschichten in der Gegenwart, die von der Verletzlichkeit der Orte und Menschen erzählen. Durch das Netzwerk globaler Abhängigkeiten rückt ein Erdbeben in Kalifornien – jenseits von Koordinaten – in unmittelbare Nähe. Angesichts der zunehmenden Instabilität in der Welt untersucht der Film das unheimliche Gefühl der Furcht als Angst vor dem Möglichen.

Marianna CHRISTOFIDES wuchs auf Zypern auf und ist derzeit in Berlin tätig. In ihren Arbeiten beschäftigt sich Christofides mit verflochtenen Geschichten, die die unterschiedlichen Ebenen von mehrfach erzählenden Orten konstituieren. Spuren von schleichender Gewalt im räumlichen Gefüge, sowie subtile Manifestationen von Prekarität werden durch Langzeitbeobachtungen und einer physischen Auseinandersetzung mit den erforschten Orten verhandelt. Die oftmals umkämpften Orte werden immer wieder von ihr besucht um deren Singularitäten und latenten Erzählungen aufzugreifen. Die Methode der rekursiven Rückkehr dient dazu, sich den komplizierten und fragmentierten Geschichten von Menschen in verschiedenen Regionen anzunähern.
In 2011 repräsentierte Christofides Zypern auf der 54. Biennale in Venedig. Sie hat internationale Ausstellungen gemacht – unter anderem an der Akademie der Künste in Berlin; am BOZAR, Palais des Beaux-Arts in Brüssel; am Nationalmuseum für zeitgenössische Kunst in Bukarest; an der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst in Bremen; bei der Videonale. 17, im Kunstmuseum Bonn; im Museo Riso Palermo; im Museum für Gegenwartskunst in Siegen; im Kunstpavillon Innsbruck; im Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Rijeka; auf der 5. Thessaloniki Biennale; im Nationalmuseum für zeitgenössische Kunst, Athen und im Museum für Photographie Braunschweig. Künstlerhäuser umfassen: die Villa Kamogawa, das Goethe-Institut, Kyoto; das Künstlerhaus Büchsenhausen, Innsbruck; Tabakalera in San Sebastian; IASPIS in Stockholm; die Villa Aurora in Los Angeles; das Gaswerk, London. 2019 wurde Christofides für den Berliner Kunstpreis nominiert.

In Kooperation mit dem Künstlerhaus Büchsenhausen veröffentlichte Marianna Christofides das Buch Days in Between (2021).

mariannachristofides.com

Veranstaltungsort
Künstler:innenhaus Büchsenhausen

Weiherburggasse 13
A-6020 Innsbruck
+43 512 278627
office@buchsenhausen.at