Stefan Hayn

Stefan Hayn, NIE WIEDER KLUG, 2015

In Büchsenhausen möchte Hayn gegenwärtige Prämissen und Ausprägungsformen bildhaften Erzählens für Kinder in unterschiedlichen Medien – Film, Fernsehen, (Hör)Buch, Internet – einer kritischen Untersuchung unterziehen. Im Mittelpunkt des Interesses stehen die in diesen Formaten sich artikulierenden Vorstellungen zur Bedeutung von Bildern und Erzählung im Tradierungszusammenhang.

Im deutschsprachigen Raum scheinen der Kinderfilm, die Kindermedien, das familiy entertainment seit etwa zehn bis fünfzehn Jahren als „vielversprechendes Marktsegment“ (wieder)entdeckt worden zu sein. Die ein Kinderpublikum frühzeitig und flächendeckend „verführenden“ Branding-Kampagnen werden mittlerweile erfolgreich von den ursprünglich als übermächtige Konkurrenz angesehenen Disney-Produktionen „abgeschaut“. Über diesen Profitaspekt hinaus interessiert in der Untersuchung aber in erster Linie eine tiefer gehende Analyse der inhaltlichen, bildnerischen und „moralischen“ Maßgaben, wie sie vor allem auch von den sich kritisch situierenden Foren bzw. (Produktions- und Rezeptions-) Zusammenschlüssen zum „anderen“, „wertvollen“ Kinderfilm behauptet werden. Aktuelle deutschsprachige Kindermedien zeichnen sich laut Hayn mehrheitlich nicht zuletzt durch einen Retro-Trend aus. Hier scheinen die Maßgaben der eigenen Kinder- und Jugendzeit der zu Eltern gewordenen Medienarbeiter_innen von diesen sentimentalisierend oder ironisch überhöht bzw. distanziert für Kinder ins Bild gesetzt zu werden – „Kalter Krieg“, antiautoritäre Ideen und unbewusst autoritär-nationalsozialistisch (weiter)geprägte Gefühlswelten.

Vor dem Hintergrund neuerer psychoanalytischer Studien zur psychosexuellen Entwicklung von Kindern sollen ausgewählte Beispiele aus dem Kindermedienbereich auf ihre jeweiligen Implikationen hin untersucht werden. Einen weiteren Teil der Recherche werden erzählerische wie bildnerische Werke ausmachen, die eine Zwischenposition einnehmen, da sie nicht explizit (nur) Kinder und Jugendliche ansprechen, sondern sich sehr genau auf Kindheit und Jugend beziehen und damit mit der Frage umgehen (müssen), wie (intim-persönliche) kindliche Erfahrungen erzählt/gezeigt werden können, um das Ergebnis auch für Kinder anschaubar zu machen. Welche Tabus und Grenzen werden dabei berührt, überschritten, möglicherweise verletzt?

Hayns Arbeitsvorhaben wird auch versuchen, praktisch-empirische Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen, Autor_innen und Künstler_innen, Medienverantwortlichen, Therapeut_innen, Erzieher_innen und Lehrer_innen einzubeziehen. Die Rechercheergebnisse sollen im Rahmen von öffentlichen Präsentationen vorgestellt und mit Gästen diskutiert werden.

Stefan Hayn lebt in Berlin. Seine seit 1989 veröffentlichten Filme hinterfragen künstlerische sowie filmische Kategorisierungen und verweigern sich einfachen Genrezuschreibungen. Seine Arbeiten (Filme, Malerei, Essays) wurden in unterschiedlichen Kunst- und Filmkontexten präsentiert. Er lehrte an der Universität der Künste Berlin schwerpunktmäßig zum Verhältnis von Film und Malerei.

Stefan Hayn ist Maler und Filmemacher. In seinen jüngeren Arbeiten versucht er, filmimmanent bzw. in Gegenüberstellungen im Ausstellungsraum malerische und filmische Wahrnehmungsprozesse in ihrer gesellschaftlich-historischen wie lebensgeschichtlich-individuellen Anbindung emotional erfahrbar zu machen. Die ins Offene angelegten bildnerischen Vorgehensweisen reflektiert er auch in begrifflich-essayistischen Arbeiten. Er präsentiert seine Filme im Kino, im Fernsehen und auf internationalen Festivals. Zuletzt zeigten der Heidelberger Kunstverein und das Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien eine Auswahl seiner malerischen und filmischen Arbeiten.

Zur Filmografie von Stefan Hayn siehe auch:
filmportal.de: Stefan Hayn